Aufgeblättert

Kultur | Gregor Patorski | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

Ich wurde verwechselt, ich werde verwechselt, ich werde verwechselt werden." Die Figur, die dieses verzweifelt in die Welt hinausschreit, ist leer, ist Lehr. Oder Leer. Oder Ler, eine Lehrerin, ein Lehrer: Lerr, Lr. Persönlichkeit als Konstrukt, ein Schutzmechanismus, der verhindern soll, dass sich die Figur der Realität stellt. Gebrochene Figur, gebrochene Realitäten. Die Fakten lassen sich in dem fulminanten Erstling "Getötet wird keiner" des Schweizers Daniel Sebastian Saladin nicht von den Fiktionen trennen. Was macht Sinn, was ist Wahnsinn? Gewiss ist nichts. Möglich ist alles. Und das macht auch die Spannung des Romans aus. Möglich ist beispielsweise, dass man hier ein Psychogramm eines Knabenmörders vor sich hat. Möglich ist auch, dass der unter Verfolgungswahn leidende Pädophile Lehr sich bloß in die Haut des Mörders imaginiert. Möglich auch, dass Leer sich mit einer erfundenen Geschichte füllt, weil er selber keine hat.

Auch der Deutsche Alban Nikolai Herbst ist dafür


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