Nüchtern betrachtet: Mütter, die nach Duluth durchbrennen

Kultur | aus FALTER 20/00 vom 17.05.2000

Hast du eine Mutter, dann hast du immer Butter." An diese schöne Liedzeile von Helge Schneider musste ich denken, als ich die Muttertagsgedichte der "Big Brother"-Belegschaft kurzfristig über mich ergehen ließ. Diese waren inhaltlich, metrisch und reimtechnisch so dermaßen unter jeder Sau, dass ich, wäre ich Mutter eines "Big Brother"-Kindes, sofort mein Testament geändert hätte und mit dem nächstbesten Aerobictrainer nach Duluth durchgebrannt wäre. Damit meine Mutter nicht nach Duluth durchbrennt, habe ich den Muttertag mutterseelenallein und lyriklos in meinem Arbeitsappartement verbracht. Als mich gegen Mittag das Essayschreiben doch recht sauer ankam, begab ich mich in den Böhmischen Prater, um mir alle jene Mütter anzusehen, denen es nicht rechtzeitig gelungen war, einen Aerobictrainer zu finden; weswegen sie jetzt - statt im schönen Duluth stangenförmiges Gemüse in fettarme Dips zu tauchen - mit Spareribs, Braterdäpfel plus zweierlei Saucen auf Mayonnaisebasis traktiert


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