Standpunkt: Unglücklicherweise

Politik | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Unglücklicherweise", sagt Wiens Polizeipräsident Stiedl, "löste sich ein Schuss aus der Dienstwaffe, als der Beamte versuchte, die Tür des Fahrzeuges zu öffnen." Sehr bedauerlich. Aber absehbar. Es waren wieder einmal Beamte des berüchtigten Kommissariats Ottakring (wir erinnern uns: "Bimboschlampe",vermummte Polizeitruppe ...) am Werk, als vergangenen Freitag ein Unbewaffneter erschossen wurde. Misshandlungsvorwürfe, Beschimpfungen und nun der erste Todesfall. In New York treten Polizeipräsidenten zurück. In Wien nicht. Vor der Ottakringer Polizei darf man sich langsam fürchten. Sie hat Rückendeckung der Krone: "Drogendealer auf der Flucht erschossen", heißt es dann. Leider war der Tote unbewaffnet. Leider wars nur ein bissl Haschisch. Wie schon beim Opernball haben die Polizisten mit gestreckten Waffen ihre Amtshandlung begonnen. So sieht man es in amerikanischen Filmen. Wenn sich ein Schuss löst, wars ein Unglück. Der Polizeipräsident hat nicht begriffen, dass am Kommissariat Ottakring eine Truppe von Rambo-Fahndern werkt, die ihren Kampf gegen das Böse a la Miami Vice aufnehmen will. Seit Jahren und sehr erfolgreich. Und wenn einmal wer stirbt, dann hilft eben der Polizeipräsident, stellt sich hinter die Beamtenund präjudiziert einfach die Justiz. Unglücklicherweise. F. K.


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