Haarige Vorschrift: Bald Zöpfe für alle?

Politik | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Nach einem Erlass des Ministeriums für Landesverteidigung von 1997 "hat das Haupthaar von Soldaten derart geschnitten zu sein, dass bei aufrechter Kopfhaltung der Hemdkragen nicht berührt wird und Ohren und Stirn nicht durch überhängende Haare bedeckt werden". Über diese Vorschrift könnte das Bundesheer bald stolpern. Denn: "Der Haarschnitt weiblicher Soldaten kann von dem der männlichen abweichen, sofern der ordnungsgemäße Sitz einer Kopfbedeckung sichergestellt und keine Eigengefährdung gegeben ist." Was heißt: Soldatinnen ist ein Zopf erlaubt. Nachdem sich ein Rekrut - von seinem Vorgesetzten auf seine zu langen Haare angesprochen - deswegen im Vorjahr bei der Beschwerdekommission erkundigt hat, kommt diese nun zu folgender Empfehlung: "Die geschlechterspezifisch unterschiedlichen Regelungen stehen nicht im Einklang mit dem verfassungsrechtlich verankerten Recht auf Achtung des Privatlebens, dem Gleichheitsgrundsatz und den Vorgaben der EU. Deswegen ergibt sich eindeutig, dass auch männliche Soldaten lange Haare tragen dürfen." Im Büro von FP-Minister Herbert Scheibner nimmt man den Vorschlag "zur Kenntnis, eine Weisung wird es deswegen aber nicht geben". "Das ist alles andere als vorausschauend", meint dazu ein hoher Beamter, "falls ein Soldat zum Verfassungsgerichtshof geht, gewinnt er hundertprozentig." - Daher: Freiwillige vor!


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