Die Obezahrer

Bundesheer. Laufen "bis zum Anspeiben", mit Besen exerzieren, sich "Eiterbeule" oder "Bimbo" schimpfen lassen: Über 200 Präsenzdiener wollten im Vorjahr die Methoden ihrer Ausbildner nicht mehr hinnehmen und beschwerten sich.

Politik | Nina Weissensteiner | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Einem "eingeschränkt dienstfähigen" Grundwehrdiener nutzte das Attest des Militärarztes wenig. Nach mehreren Behandlungen im Heeresspital platzte seinem Vorgesetzten der Kragen. Vor seinen Kameraden musste sich der Rekrut eine "Eiterbeule", einen "Eiterherd", einen "Obezahrer" und einen "Drückeberger" schimpfen lassen. In einer anderen Kaserne erging es einem Kollegen von ihm nicht besser. Ihm kündigte der Sportausbildner an, dass er "gleich so laufen" werde,"bis dich anscheißt und anspeibst". Auch ein Charge mit dunkler Hautfarbe bekam sein Fett ab. Ein Unteroffizier titulierte ihn als "Bimbo" und "Bananenfresser". Vor seinem Pionierzug.

Die Bundesheer-Beschwerdekommission hatte im Vorjahr (wieder) alle Hände voll zu tun. Laut ihrem nun vorliegenden Jahresbericht wendeten sich 1999 über 2800 Rat- und Hilfesuchende an die parlamentarische Einrichtung. 550 Bundesheerangehörige reichten offizielle Beschwerden ein. Über die Hälfte waren Präsenzdiener, die Ton oder Behandlung ihrer


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