Schwarze Schmach

Vergangenheitsbewältigung. Zwischen 1945 und 1955 kamen in Österreich einige Hundert afroamerikanische "Besatzungskinder" zur Welt. Der Großteil dieser Kinder verschwand mit Ende der Besatzung "spurlos". Die Aufarbeitung ihres Schicksals steht bis heute an.

Politik | Nina Horaczek | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Der fünfjährige Helmut hatte die drei Spielkameradinnen lieb gewonnen. Tag für Tag besuchte er gemeinsam mit Regina, Uschi und Roswitha den öffentlichen Kindergarten in der Liechtensteinstraße am Alsergrund. Bis zu jenem Tag im Jahre 1955: Da kamen die drei Mädchen plötzlich nicht mehr. "Zuerst dachte ich, sie sind krank geworden", erzählt Helmut Niederle heute: "Als sie nach einer Woche noch immer nicht zurück waren, habe ich die Kindergartentante gefragt. Die hat mir dann hinter vorgehaltener Hand verraten, dass sie jetzt in Skandinavien leben."

Regina, Uschi und Roswitha hatte ein nicht ungewöhnliches Schicksal ereilt. Sie wurden im Jahr 1955 über Vermittlung der Jugendwohlfahrt zur Adoption nach Skandinavien geschickt. Der Grund: Ihr Vater war ein afroamerikanischer GI. Als schwarze Kinder passten sie nicht ins "weiße" Österreich.

Alleine in der amerikanischen Zone im besetzten Österreich wurden bis 1955 etwa 5000 so genannte Besatzungskinder geboren. Einige Hundert davon


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