Bedient: Asyl made in A

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Im Herbst 1999 flüchtete die Postbeamtin Kamara aus Sierra Leone. Sie war im Besitz von Videos, die die Greuel der Rebellen dokumentieren. Das sichere Todesurteil. Kamara rettet sich nach Wien. Dann nach Traiskirchen. Schließlich kommt sie vor einen Beamten des hiesigen Bundesasylamtes (siehe Falter 7/00). Der Beamte verhört hart. Schließlich droht er der Frau glatt mit Freiheitsentzug: "Wenn Sie nicht sofort die Wahrheit sagen, haben Sie mit Schubhaft zu rechnen! Sagen Sie nun die Wahrheit!" Der Beamte protokolliert die Drohung sogar. Kamara bleibt trotzdem bei ihrer Wahrheit. Am selben Tag kommt sie in Schubhaft. Im Gefängnis in Wien muss sie sich nackt ausziehen und wird eingesperrt. Obwohl ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, bereitet die Polizei die Abschiebung vor. Durch ihren hartnäckigen Anwalt Wilfried Embacherkommt sie frei. In Wien wird sie wegen illegalen Aufenthaltes abgestraft. Embacher und Kamara geben nicht auf, informieren die Medien. "Jemand, der die Wahrheit sagt, weiß plötzlich nicht, wie ihm geschieht. Asylwerbern wird von vornherein die Glaubwürdigkeit abgesprochen." Schließlich gelingt es, den Fall vom berüchtigten Asylamt Traiskirchen nach Wien zu bringen.Und siehe da: "Ihrem Antrag auf Asyl wird stattgegeben. Das Bundesasylamt gelangt aufgrund des amtswegigen Ermittlungsverfahrens (...) zur Ansicht, dass alle Voraussetzungen vorliegen." Conclusio: Im Zweifel zuerst gegen den Flüchtling. Erst wenn ein Anwalt mit Medien zu trommeln beginnt, wird das Schicksal näher geprüft. Vielleicht könnte sich die Staatsanwaltschaft ja die Verhörmethoden in Traiskirchen näher ansehen?


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige