"The Face": Popkultur ist alles

Magazine. Die britische Mutter aller Stilbibeln feierte ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Der Geburtstagsbrief eines zerknirschten Stammlesers reflektiert über die Schizophrenie, dass auch ein Blatt der flüchtigen Phänomene schon Tradition hat.

Robert Rotifer / London | Medien | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Zunächst ein Geständnis: Vor einem halben Jahr, gerade noch rechtzeitig vor dem Millennium, habe ich fast alle meiner mit religiösem Eifer gesammelten, in tonnenschweren Kartons bis nach England übersiedelten alten Exemplare von The Face auf den Mist geworfen. Nicht aus Wut, sondern ganz nonchalant, so wie man eine abgelaufene Fernsehbeilage entsorgt.

Wie das Face selbst kürzlich in der Spezialausgabe zum zwanzigjährigen Jubiläum seines Bestehens die eigene Grundidee formulierte: "Popkultur ist alles." Und Pop definiert sich bekanntlich durch seine Rezeption im Kontext. In anderen Worten: Als ich noch in Wien lebte, besorgte ich mir das Blatt in ausgesuchten Bahnhofstrafiken und fand - abgesehen von mitfühlendem Bedauern für mir gegenübersitzende Leser irgendwelcher durch Baumarkt- und Vitaminsaftinserate verunstalteter Ramsch-Illustrierter - nichts dabei, dieses edel gestylte Fenster zur Welt gleich in der U-Bahn nach Hause zu öffnen. In London dagegen rolle ich mein Face in

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