Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Für einen miesen kleinen Macho wie mich ist ein Theater wie der kosmos frauen.raum eine Provokation: Auf und vor der Bühne sind nur Frauen im Einsatz, und auch im Zuschauerraum kommt man sich als Mann komisch vor. Obwohl zur Eröffnungspremiere Männer prinzipiell zugelassen waren (nur montags heißt es hier "women only"), fühlte ich mich wie eine Frau in einem Schwulencafe: Es geht okay, dass man da ist, aber eigentlich hat man hier nichts verloren. Auf der Bühne spielt das Theater Foxfire "Königinnen" von Lilly Axster. Das Stück handelt von der (fiktiven) Begegnung der lesbischen Schriftstellerinnen Virginia Woolf, Djuna Barnes und Audre Lorde; der Text riecht teilweise zwar stark nach Papier, die Aufführung (Regie: Corinne Eckenstein) aber hat erstaunlich viel Witz, und die Spielfreude der drei Schauspielerinnen ist so ansteckend, dass am Ende sogar ich zufrieden war. Gerührt stellte ich dann noch fest, dass es im frauen.raum auch eine Herrentoilette gibt. Dass sie daran gedacht haben!

Stellen Sie sich, wenn das irgendwie möglich ist, einmal Folgendes vor: Vier Theatermacher, die Nestroys vier Temperamenten entsprechen, liefern sich eine Art theatralischen Wettstreit, in dem jeder auf seine Art versucht, Märchen der Gebrüder Grimm szenisch zu erzählen. Im nach wie vor gemischtgeschlechtlich betriebenen dietheater Künstlerhaus hat der Theaterverein Proscenion diese Idee umgesetzt - was sie nicht unbedingt plausibler macht. Karin Koller ist eine gute Regisseurin, die an einem bisweilen fatalen Hang zum "Projekt" laboriert: Im aktuellen Fall - Titel: "Von dem Tode des Hühnchens" - sieht man 80 Minuten lang hauptsächlich, dass da jemand eine Idee hatte. Der (Insider-)Witz des Abends besteht darin, dass die vier Theaterkünstler - von der Esoterik-Diva bis zum Puppenspieler, vom Schauspielbeamten bis zur Performance-Schmierenkomödiantin - alle ziemlich schlecht sind. Das Problem des Abends besteht darin, dass er nicht deutlich genug macht, was daran komisch ist.


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