Ein Hauch von New York

Geschäftesterben. Blinde Schaufenster, zerbrochene Scheiben: 1000 Wiener Geschäfte stehen leer. In Ottakring geht man mit einem Kunstprojekt neue Wege. Und auch andere Grätzel überlegen, wie sie gegen das Geschäftesterben ankämpfen können.

Stadtleben | Julia Ortner und Wolfgang Paterno | aus FALTER 21/00 vom 24.05.2000

Heidrun Baumgartner traut ihren Augen nicht. Im vergammelten Hof des ehemaligen Schlachthauses auf der Neulerchenfelder Straße 15 tut sich was. Dort, wo sonst niemand hinkommt. Hunderte Menschen drängen sich um Gegenstände, die sonst nicht hier stehen. Wie etwa um einen Korb mit Orangen. Auf Zetteln an den Früchten steht zum Beispiel "Angst hilft nicht gegen den Tod". Darunter: "Korkunum ecele faydasi yoktur". Eine junge türkische Mutter mit einem Kind auf dem Arm greift in den Korb, will die Orange schon schälen. "Gö schau, türkisch", sagt sie da erstaunt und lässt das Kunstobjekt wieder zurück in den Korb fallen.

"Na servas." Auch Pensionistin Baumgartner wundert sich. Und kommt einige Geschäfte weiter noch immer nicht aus dem Staunen heraus: Da steht in der Auslage des Installateurs Marvan diese seltsame Kloschüssel. Mit einem platinumhüllten Hirschgeweih als Sitz. Der Klobürstenhalter ein silbern glänzender Hirschkopf, die Klorolle hängt auf den Hauern eines Wildsauschädels.


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