Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 22/00 vom 31.05.2000

...erschien eine Kritik der Ausstellung "Antworten - Gespräche mit Wiener Künstlern" in der Secession - böse, aber lustig.

die wiener secession entspricht diesem unglücklichen anlass - dessen langzeitfolgen für die kulturszene nicht absehbar sind - mit einer gedächtnisausstellung.

frau pluhar (die das unglücksauto steuerte) hat man hier gleich den vorrang gelassen. ein riesiger glühbirnenumstandener spiegel deutet auf die profession hin. an den wänden fotos, titelseiten deutscher fernsehzeitschriften (60er-jahre), kopien + originale von klatschspalten, trophäen (best frisierte frau 1974) + medaillen.

peter turrinis würdigung (er saß auf dem beifahrersitz) fällt nach der bühnen + varieteturbulenz ungleich sachlicher aus. einzig übertrieben hier das gedächtnisportrait von 8 m2. titel: auch ein dichter kann schreiben.

nach dieser abkühlung eine neue überraschung: hutter. einem so selten erwähnten + von allen guten medien verlassenen künstler eine chance zu geben (tragisch nur, dass sie durch den anlass erzwungen scheint), kann der secession gar nicht hoch genug angerechnet werden. die wenigen arbeiten dieses jungen talents lassen kaum etwas zu wünschen übrig.

man gedenkt gustav peichls mit lebendigem grün, in gestalt eines rasenstücks mit baum. drumherum großfotos seiner architektur.

heller andre ist der nächste. seine kammer aus gegebenem anlass: schwarz. fotos + erinnerungsschnipsel aus längst vergangenen tagen, bilder, die man immer gerne sieht.

otto m. zykan trifft den, nun schon von trauer ziemlich benommenen, unfähig, sich noch zurecht zu finden. in erinnerung bleiben ein klaviersessel + ein foto einer arbeitsamen rückenansicht.

abschließend folgt alfred hrdlicka. hier weisen die ausstellungsmacher - nach der wehmütigen heiterkeit der vorangegangenen gedenkorte - noch einmal mit nachdruck auf den tragischen umstand hin, der diese ausstellung zur pflicht gemacht hat.


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