Enge verbindet

Wohnen. Sie dienen als autofreie Abkürzung und - in saniertem Zustand - als schicke Wohnhausanlagen: Durchhäuser. Aber das nachbarschaftliche Idyll hat auch seine Nachteile. Die Fenster zum Hof vermitteln ein wenig "Big Brother"-Gefühl: Du bist nie allein.

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 22/00 vom 31.05.2000

Zum Beispiel das alte Artistenpaar von der dritten Stiege. Seit 23 Jahren leben die ehemaligen Varietekünstler im Adlerhof. Zuvor haben sie jahrelang die halbe Welt bereist. Unlängst kam der 85-jährige Ehemann ins Pflegeheim. Und die Frau hat Schwierigkeiten mit den neuen Pflastersteinen im Hof. "Zu spitz", sagt sie, "jeder Schritt tut mir weh." Man kennt einander und kennt die Geschichten voneinander. Irgenwo wohnen Künstler, weiter vorne die nette Familie aus Indien, und endlich hört man auch wieder Kinder in elf Stiegen zwischen Siebensternplatz und Burggasse.

Das Leben als Durchhaus: Anonymbleiben ist nicht einfach in so genannten Durchhäusern wie dem Adlerhof, in denen sich Hinterhaus an Hinterhaus reiht. Eine Handvoll Durchhäuser gibt es in Wien noch. Sie stammen wie etwa der Sünnhof im dritten Bezirk aus dem Biedermeier oder wurden Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Manche sind reine Wohnhäuser mit prächtigen Pawlatschen und begrünten Innenhöfen, andere dienen bis heute


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