Vor 20 Jahren im Falter

... befasste sich ein Artikel mit dem Titel "Anmerkungen zum Liquidieren" mit den ernsthaften Überlegungen eines St. Pöltner Rechtsanwaltes.

Vorwort | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

Zum Überbau bürgerlicher Gesellschaften gehört auch die Vorstellung von ihren Insassen als autonomen Subjekten. Der Widerschein der ökonomischen Zustände - die Einzelnen sind in ihren Beziehungen zueinander wesentlich durch den Warentausch bestimmt - findet sich in der Ideologie vom Recht, das allgemein zugänglich sei und in Absehung des gesellschaftlichen Status des Einzelnen gesprochen werde. Es gehört zu den Errungenschaften der bürgerlichen Revolution, die Gleichheit der Staatsbürger proklamiert zu haben, wenn diese auch durch die Wirklichkeit des Bourgeois stets praktisch zurückgenommen wird.

Hinter diesen Standard fällt der junge St. Pöltner Rechtsanwalt Peter Panovsky zurück, der von der Rechtsanwaltskammer zum Pflichtverteidiger für den Dreifachmörder Kniesek bestellt wurde und der die Kammer mit folgender Begründung sofort um seine Enthebung ersuchte.

"Kniesek hat unzweifelhaft zwei Frauen und einen Gelähmten auf bestialische Weise ermordet. Hiezu vertrete ich die ständige Auffassung, dass Täter wie Kniesek nicht als schutzwürdige Rechtsobjekte anzusehen sind und daher physisch zu liquidieren sind."

(Kurier 4.6.)

Der ehrliche Rechtsanwalt macht aus dem Angeklagten ein Etwas, das zu beseitigen sei. K. ist ihm nicht mal mehr Rechtsobjekt.


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