Standpunkt: Nestbeschmutzer

Politik | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

Wolfgang Schüssel ist lernfähig. Seit dem Wochenende wissen wir: Der Kanzler hat sich eine nützliche Methode von seinem Koalitionspartner abgeschaut. Nachdem der Standard berichtete, dass Schüssel ein Geheimangebot zur Aufhebung der Sanktionen durch ein Monitoring-Verfahren abgelehnt hat, war der Chef des Kanzleramts mehr als 15 Stunden nicht erreichbar. Stattdessen schickte er seine Pressemenschen in die Offensive. "Der Bericht ist frei erfunden", ließ Schüssel seinen Kabinettsmitarbeiter Florian Krenkel toben. Kommt einem irgendwie bekannt vor, von blauer Seite ist man solche Dementis längst gewöhnt. Am Sonntag dann rächte sich Hans Cato Dichand stellvertretend an dem Aufdecker im linkslinken Blatt. Die Vorwürfe seien "Substandard" und - eh schon wissen - von "tiefroter" Seite. Eine Informationslawine aus dem Bundeskanzleramt zeigte dann Der Kurier ließ sich von einen brandheißen Exklusivbrief des Kanzlers blenden: Darin schlägt Schüssel ein neues Verfahren für Sanktionen vor. Zwar oft geschrieben, doch noch nie so seitenfüllend. Kein Wort mehr über die im Raum stehenden Vorwürfe gegen den Kanzler. Selbst wenn die konservative Welt über das Geheimangebot flächendeckend darüber schreibt: Nestbeschmutzer bekommen keinen Raum. N. W.


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