Schütze ermittelt selbst

Affäre. Der Fall Imre B. entwickelt sich zum handfesten Polizeiskandal: Jener Mann, der einen unbewaffneten Dealer erschossen hatte, ermittelt nun gegen die Tatzeugen seines eigenen Todesschusses. Die Beamten scheinen in einschlägigen amnesty-Reports auf.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

A m Tag nach dem tödlichen Schuss beruhigte der Wiener Polizeipräsident die Medien: Jener Beamte, der einen unbewaffneten Mann erschossen hatte, sei "schwer geschockt" und "wegen eines Post-Shooting-Traumas in psychologischer Betreuung", versicherte Peter Stiedl. Wenige Stunden zuvor wurde in Wien-Penzing nach einer Razzia der Österreicher Imre B. in seinem Wagen erschossen, weil sich, so der Präsident, "unglücklicherweise ein Schuss löste, als der mutmaßliche Dealer dem Beamten die Autotüre auf die linke Schulter knallte". Brisante Zusatzinformation der Polizei: Einer der verhafteten Dealer, die den "Unfall" gesehen hätten, würden die Version der Beamten "vollinhaltlich bestätigen".

Eine schöne Story. Nur leider in einem entscheidenden Detail nicht ganz vollständig. Was Stiedl den Medien nicht verriet: Der erste Beamte, der die Zeugen des Todesschusses vernommen hatte, war der Todesschütze selbst. Dem Falter liegt der Polizeiakt (Zahl Kr 468/0/00) der umstrittenen Amtshandlung


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