Im Zweifel besser schuldig

Justiz. Keine Drogen. Kein Drogengeld. Keine Sachbeweise. Allein die Aussage eines anonymen, von der Polizei bezahlten Spitzels reicht für fünf Jahre Haft. Im Kampf gegen afrikanische Dealer verabschiedet sich die Justiz vom fairen Verfahren.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

Der Prozess dauerte nicht einmal zwei Stunden. Keine Sachbeweise, keine sichergestellten Drogen, kein Drogengeld, keine namentlich genannten Zeugen. Nur "Helmi". So nennen die Richter einen Mann, der unter dem Kürzel AZ1 (anonymer Zeuge) unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vorgeführt wird. Denn Helmi ist nur bereit, unter absoluter Anonymität aufzutreten. Auf seinem Kopf ein Vollvisierhelm, seine Hände stecken in Handschuhen. Manchmal trägt er einen Ganzkörperoverall. Helmi will nicht erkannt werden. Er ist Kronzeuge der Operation Spring.

Anfang Dezember vergangenen Jahres hat der Zeuge wieder einmal eine Aussage gemacht. Gegen Aba Fofana, 20 Jahre alt, Asylwerber aus Afrika. Aba Fofana durfte bei der Aussage "aus Sicherheitsgründen" nicht dabei sein. Er wurde in eine kleine Kammer geführt. Helmi betrat mit einigen Polizisten den Saal und erzählte das, was man hören wollte: "Wir waren ständig zusammen, er war jemand, der eine große Kundschaft hat (...). Er fuhr ständig


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige