Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

Karl Welunschek ist wieder in der Stadt. Für das Theater m.b.H. inszenierte der in den Achtzigerjahren berühmte Regisseur im Kabelwerk Werner Schwabs Radikalkomödie "Volksvernichtung", womit dreierlei unter Beweis gestellt werden sollte: Welunschek wollte beweisen, dass er der richtige Mann für die Leitung des Rabenhofs ist; das Theater m.b.H. wollte nach der Trennung von Kurzzeit-Direktor Alexander Waechter zeigen, dass es wieder die politisch korrekteste Bühne der Stadt ist; beide wollten demonstrieren, wie man Schwab richtig spielt. Die Beweisführung war jedoch in keinem der drei Fälle wirklich schlüssig: Welunschek inszeniert immer noch wie vor 15 Jahren - cool und slick, aber ohne eigene Handschrift und besondere Ambitionen. Die politische Brisanz des Stücks blieb in der um derbe Komödiantik bemühten Inszenierung ebenso ungeklärt wie die Frage nach der adäquaten Spielweise für Schwabs Sprache. Nur die herausragende Johanna Tomek als Hausdrache Grollfeuer war stärker als der Text.

Im Volkstheater stand am Sonntag nicht nur "Das Blut" vom katalanischen Autor Sergi Belbel auf dem Spielplan, sondern auch eine Frage im Raum: Würde es dem Theater im letzten Versuch einer verunglückten Saison doch noch gelingen, eine interessante Produktion herauszubringen? Überraschende Antwort: ja. Das Stück ist eine mathematisch genau konstruierte Mischung aus Polit-Thriller und Gesellschaftssatire: In der ersten und letzten Szene wird das Martyrium einer von Terroristen entführten Politikersgattin (Elisabeth Rath) gezeigt, der alle zehn Stunden ein Körperteil abgeschnitten wird; in den drei Szenen dazwischen sieht man, wie die Körperteile gefunden und zum Auslöser für groteske Minidramen werden. Im geometrisch-schönen Bühnenbild von Barbara Ehnes findet Anselm Webers Inszenierung die richtige Balance aus Realismus und Stilisierung; und einmal mehr zeigt sich, dass auch Volkstheaterschauspieler gut sein können, wenn ein Regisseur das wirklich will.


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