Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

Früher, als alles besser war, wurde man manchmal spät nachts im Fernsehen mit seltsamen kleinen Filmen beglückt. Die hatten viel versprechende Titel wie "Pink Flamingos" oder "Female Trouble". Sahen ziemlich grob und billig aus. Handelten von eigenartigen suburbanites - "disfunktionalen" Familien, gefallenen Mädchen, Transvestiten, Diät-Verweigerern, Haarspray-Fetischistinnen und anderen Blasphemikern. Waren dabei auf liebevolle Details bedacht und sehr treffend in ihren Attacken. Und trieben vor allem böse, derbe Späße. Man nannte das ehrfürchtig "Trash" und freute sich, wenn man diese Kleinode, für die ein aus dem aufgeräumten Städtchen Baltimore stammender Mann namens John Waters verantwortlich zeichnete, dann und wann auch in Mitternachtsvorstellungen auf Leinwand sehen konnte - unvergessen die Odorama-Show um "Polyester" (Motto: "Smelling Is Believing!").

Später konnte sich John Waters dann auch im Hauptabend-Kino-Programm etablieren. Sein aktueller Film "Cecil B. DeMented" wurde vor einem Monat außer Konkurrenz in Cannes präsentiert. Sein bis dato letztes bei uns gezeigtes Werk, "Pecker" (1998), pflegt, wenngleich in stark abgemilderter Form, noch immer die alten Vorlieben für Kitsch, Tand und Talmi, für ein eigenwilliges Verhältnis zu Nahrungsmitteln oder für die unbarmherzige Bestrafung von beflissenen Normalbürgern. "I've been called the ,King of Sleaze', the ,Pope of Trash', the ,Prince of Puke', and recently new ones have been added - the ,Duke of Dirt'; the ,Ambassador of Anguish' and the ,Anal Anarchist'. All are fine by me, but I think the ,Pope of Trash' sounds most dignified." Das Schikaneder-Kino zeigt vom 9. bis zum 22. Juni eine Reihe mit sechs von John Waters' Filmen aus drei Jahrzehnten. Gehen Sie hin, schauen Sie sich das an! Mehrfache divine experience garantiert.


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