Cry for me, Argentina

Festwochen. Verschwundene Väter, verlorene Mütter: Junge Theatermacher aus Buenos Aires arbeiten in merkwürdigen Familiendramen die Geschichte ihres Landes auf.

Petra Rathmanner | Kultur | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

Der Familie ist nicht zu entkommen, im Leben nicht und auch nicht auf der Bühne. Familiengeschichten liefern ununterbrochen Katastrophen für die Theatergeschichte. Das ist soweit nichts Neues. Das Besondere an den argentinischen Familienverhältnissen, die derzeit bei den Wiener Festwochen zu sehen sind, ist das Fehlen der Väter. Sie sind Männer einer "verschwundenen Generation", verloren gegangen in den Folterkammern der Militärdiktatur, die in fast jede Familie eine Lücke gerissen hat. Wenn Goethe des Menschen Seele mit dem Wasser vergleicht, so könnte die argentinische Seele am Grund des Rio de la Plata liegen - jenes Flusses, der zur Grabstätte für Zigtausende Dissidenten geworden ist. Diesen ertrunkenen Seelen geben die jungen argentinischen Theatermacher - Kinder der Verschwundenen - eine Stimme.

In "Senora, Ehefrau, Mädchen - und junger Mann aus der Ferne" von Marcelo Bertuccio ist es tatsächlich nur eine Stimme aus dem Off, die versucht, sich ans Leben zu klammern, obwohl

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