Kunst kurz

Kultur | aus FALTER 23/00 vom 07.06.2000

Mittwoch abend war es wieder einmal so weit: Alexander Brener und Barbara Schurz starteten einen weiteren Angriff auf das Establishment. Die Besucher der Vernissage in der Secession nahmen ihre Flugblätter brav entgegen. In den letzten Monaten haben die anarchistischen Künstler die Toleranz von Institutionen wie der Kunsthalle durch Graffiti-Aktionismus getestet. Unter dem Titel "Demolish Serious Culture" zeigen Brener/Schurz am 14. Juni in der Galerie Knoll Videos und informieren über ihre Auffassung von korrektem Widerstand. Ihr fast rührend naives Buch zum Thema "Was tun? 54 Technologien kulturellen Widerstandes" reduziert Foucaults Machtanalysen auf Anleitungen zum Beißen, Spucken und Stinken gegen rechts und versammelt historische Vorbilder für künstlerischen Widerstand gegen hegemoniale Vereinnahmung, die man fast ausschließlich als gescheitert betrachten muss.

6., Esterhazyg. 29, 14.6., um 19 Uhr.

Zahllose Normen sorgen dafür, dass wir in unserer Umwelt nie mit Größenverhältnissen konfrontiert werden, die uns nicht entsprechen. Seit den Siebzigerjahren beziehen Installationen und Environments den Ausstellungsraum als ästhetische Komponente mit ein. In der Ausstellung "Scale" hat Will Fowler eine Tür der Galerie Hohenlohe und Kalb ausgehängt und sie als Hindernis dem Besucher in den Weg gelegt. In seiner Installation verarbeitet er Styroporplatten und zeichnet auf Blaupausen. Auch Won Ju Lim zweckentfremdet Arbeitsmaterial von Architekten, wenn sie aus Modellen von Grundrissen eine Skyline baut. Der Berliner Jaro Straub erzeugt Irritation durch raffinierte Fotos von Sitzmöbeln mit veränderter Höhe, deren Größe und Position im Raum nicht mehr klar auszumachen ist. Bilder von luxuriösem Ambiente aus Wohnmagazinen projiziert Jutta Strohmaier auf eher ärmliche Winkel ihrer eigenen Wohnung und fotografiert die so verdoppelten Räume.

1., Bäckerstraße 3, bis 7.7.


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