Ihre Ehre hieß Treue/Die Aufrechten: "Störung der Ordnung"

Politik | aus FALTER 24/00 vom 14.06.2000

Sie treffen sich in Hinterzimmern von Landgasthäusern und feiern die Sonnwendfeiern (Johannisfeuer: 23. Juni, Julfest: 24. Dezember) im Verborgenen: Nur zweimal im Jahr marschieren die nach wie vor aufrechten Veteranen der Waffen-SS öffentlich auf. Um den 10. Oktober am Kärntner Ulrichsberg. Am 1. November am Kommunalfriedhof in Salzburg. Was es heißt, diese geduldeten Ehrenkundgebungen zu stören, erfuhr der Münchner Künstler Erich Kastner. 1996 hielten er und sieben weitere Personen schweigend eine Parallel-Mahnwache ab, während die Kameradschaft IV ihre Ehrenwache am Friedhof mit Böllerschüssen und Kranzniederlegung abhielt. Mit Tafeln, die die Aufschrift "Wir ehren die Deserteure" trugen. Die "Demonstranten" wurden mit Polizei-Eskorte weggebracht. Dazu bekamen sie eine saftige Verwaltungsstrafe wegen "besonders rücksichtsloser Störung der öffentlichen Ordnung". Die Strafen wurden kürzlich durch das Höchstgericht bestätigt. Kastner will die Republik nun vor dem Europäischen Gerichtshof klagen. Gleichzeitig wird er Mitte Juni in Straßburg eine Ausstellung eröffnen, die die alljährlichen SS-Aufmärsche in Salzburg und die Reaktionen auf seine künstlerischen Interventionen dokumentiert.


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