Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 24/00 vom 14.06.2000

Vorurteile über Rassen abzubauen ist wie einen nassen Aal zu bändigen: Etwas Schleimiges macht sich immer wieder frei", sagt die afroamerikanische Künstlerin Kara Walker über ihre Arbeit. Aufgewachsen im amerikanischen Süden, verwendet Walker Motive von dubiosen Romanen, pornografischen Fantasien, Cartoons und Sammelfiguren zum Thema Sklaverei. Mit dem Scherenschnitt aus schwarzem Papier benutzt sie dabei eine altmodische Technik, die auch an Trivialkultur erinnert. Die brutalen und sexuellen Szenen werden oft erst auf den zweiten Blick sichtbar. Für die Spielzeit 1998/99 gestaltete sie den Eisernen Vorhang der Staatsoper; jetzt sind Arbeiten von ihr in der Ausstellung "DerDieDas Fremde" in der Christine König Galerie zu sehen. "Das Woanders-Hineinschauen sehe ich als meinen künstlerischen Auftrag", meint Johanna Kandl über ihre Kontaktaufnahme mit Menschen, die nicht ihrer Gesellschaftsklasse oder Kultur angehören. Der erste Schritt einer solchen Begegnung ist oft nicht mehr als ein Foto: Wenn der Fotografierte reagiert, einen anderen Gesichtsausdruck oder eine andere Pose einnimmt, ist der Kontakt geglückt. Die Fotos verarbeitet Kandl zu Tafelbildern, wobei sie den Straßenszenen aus Wien und Osteuropa ökonomische Kommentare an die Seite stellt. Auf der Straße arbeitet auch Olga Chernysheva. Die ironische Fotoserie "Warten auf ein Wunder" bietet eine Phänomenologie der dicken Wollhauben russischer Babuschkas. Das Stereotyp vom armen Mütterchen Russland schiebt sich über Chernyshevas Video von russischen Pensionistinnen und deren Leben auf der Straße. Getragene Musik von Vivaldi untermalt die Bilder einer Schneeräumung, bei der ein nicht sichtbarer Akteur mit einer sehr langen Schaufel wenig ausrichtet. Den Schutt des Kalten Krieges wegzuräumen ist eine Sisyphusarbeit, die noch lange brauchen wird.

4., Schleifmühlgasse 1a, bis 29.7.


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