"Fürchterliche Filmkrankheit"

Porträt. Karl Hans Koizar geht jeden Sonntag in sein eigenes Kino, schreibt Bücher en masse und hat den Regenschirm von Paula Wessely gerettet.

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 24/00 vom 14.06.2000

Dieser Keller riecht nach Kino: 16 Klappsessel vom Währing, der Gong vom Ufa, der Vorhangseilzug vom Beatrix, allesamt ehemalige große Wiener Lichtspielhäuser. Und jeden Sonntag, Schlag 15 Uhr, beginnt das Kino wieder zu leben. Da scharwenzelt der 77-jährige Karl Hans Koizar in sein Archiv und greift in die Vollen: "Leoparden küsst man nicht"; "Menschen im Hotel"; "Frühstück im Doppelbett". Oder alte "Wochenschauen". Die Archiv-Regale sind mit silbernen Filmrollen vollgepfercht, mehr als 2000 Titel sind es. Alte Vorführmaschinen türmen sich im Raum. Der Cinematograph von seiner Majestät Kaiser Franz Joseph, an dem zwei Lakaien die Filmrollen in einem Wäschekorb durch den Zauberapparat durchkurbeln mussten, lagert hier ebenso wie eine Filmkamera der Gebrüder Lumiere.

Der Geruch von Kino: Im Keller, im Kinoraum, versprüht Koizar dann Perolin, eine Art Tannenduft, "der Geschmack meiner Kindheit", und schaut sich entweder allein (immer auf dem Sessel mit der Nummer zwei) oder mit


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