Standpunkt: Barden & Grafen

Politik | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Über die musikalischen Qualitäten des deutschen Liedermachers Frank Rennicke weiß man landläufig wenig. Dafür sind seine Texte umso berüchtigter: Wie die Platten anderer Sänger in die Charts, schaffen es Rennickes Titel immer wieder auf den Index der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. Seit 1999 läuft gegen den rechten Musikanten in Deutschland ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Der Verfassungsschutz von Baden-Württemberg urteilte im Vorjahr in seinem Bericht Brisantes: "Rennicke tritt nach wie vor bundesweit bei Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene auf. Veranstalter sind häufig neonazistische ,Kameradschaften'." Vergangenen Sonntag war der Barde bei einer dubiosen Gesellschaft in Wien geladen. Beim alljährlichen Sommerfest der für rechtsextreme Umtriebe berüchtigten Burschenschaft Olympia. Die Wiener Staatspolizei war am Sonntag vorsorglich angerückt. Ob das prominenteste Mitglied der Olympia bei der Fete auch zugegen war, ist nicht bekannt. Zu Wort gemeldet hat sich Martin Graf, Anwalt und Nationalratsabgeordneter der FPÖ, jedenfalls nicht. Kein Kommentar zur Einladung Rennickes. Keine Distanzierung vom Liedgut des rechtsextremen Sängers. Schon das ist eigentlich ein Skandal. G.J.


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