Vom Reden und Schweigen

Europa. Österreich tut in der EU vor allem eines: Es nervt. Denn eigentlich müssen die Europäer vor der Osterweiterung eine umfassende Eigenreform durchsetzen. Wie werden die Stimmen im Rat neu gewichtet? Worüber wird in Hinkunft mit Mehrheit entschieden?

Politik | Patrik Volf / Brüssel | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Antonio Guterres hat sich über Österreich Gedanken gemacht. Genauer über Ludwig Wittgenstein. Es sei ohnedies schon zu viel geredet worden, deswegen werde er jetzt über die weitere Vorgangsweise in Sachen Schüssel und Haider schweigen, tat der portugiesische Ministerpräsident gleich zu Beginn des EU-Gipfels von Feira kund. "Manche Leute", so Gu-terres, "haben zu viel gesprochen, ich werde nicht dasselbe tun." Die wittgensteinsche Umkehrung a la Österreich - "worüber man nicht redet, darüber lässt sich prächtig orgeln" - hat Brüssel die letzten Monate ausgiebig genug genervt. Wochenlang durften Guterres und seine Minister unermüdlich erklären, dass der Abschlussgipfel der portugiesischen Ratspräsidentschaft nicht zum "Österreicher"-Gipfel werde. Joschka Fischer nützte selbst eine Rede über die Zukunft der EU nichts, Fragen über die "Sanktionen" konnte er sich trotzdem nicht ersparen. Das Wort "Österreich" sprach der deutsche Außenminister nur mehr händeringend als Stoßseufzer


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