"Das war nicht abzusehen"

Interview. Unmittelbar nach dem Ende seiner Aktion "Bitte liebt Österreich!" sprach Christoph Schlingensief mit dem "Falter" über die Dünnhäutigkeit der Österreicher, seine Nähe zum Wiener Aktionismus und seine Zukunftspläne.

Spezial | Karin Cerny | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Samstag, kurz nach 20 Uhr. Die Aktion "Bitte liebt Österreich!" ist gerade zu Ende gegangen. Christoph Schlingensief sitzt in dem Container, der in den letzten Tagen für so große Aufregung gesorgt hat, und zieht eine erste Bilanz.

Falter: Sie haben gesagt, Sie seien als Wissenschaftler nach Wien gekommen, um einen Test durchzuführen. Können Sie bereits erste Forschungsergebnisse präsentieren?

Christoph Schlingensief: Revolutionen sind im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich. Damit meine ich aber nicht, dass man gar nicht anzufangen braucht, sondern ich glaube, man hat in zu großen Bildern gedacht - Völker kämpfen gegeneinander, und ich kämpfe für den Erhalt meines Volkes. Als spürbares Ergebnis zeigt sich gerade, dass sich eine permanente Schizophrenie breit macht. Ich glaube, da tut sich gerade etwas. Obwohl ich noch nicht so genau sagen kann, was. Auch hier in Wien habe ich gemerkt: Widerstand löst sich auf, Widersprüchlichkeit löst das Ganze ab.

Was hat Ihre Aktion ausgelöst?


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