"Das war nicht abzusehen"/Wie schief liegt Christoph Schlingensief?

Spezial | Klaus Nüchtern | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Oder anders und reimlos gefragt: Finden Sie, dass Christoph sich richtig verhält? Fragen wie diese wurden in den letzten Tagen, als der Container vor der Staatsoper stand und Tag für Tag von Tausenden Menschen besucht, begrüßt und beschimpft wurde, öfters gestellt. Gegen diejenigen, die jetzt gleich wieder anheben, vor der moralischen Aufrüstung zu warnen, sei eingewandt, dass dergleichen Fragen sehr wohl legitim sind. Die ernsthafte Auseinandersetzung damit, ob und in welcher Weise die Realität simuliert, parodiert, deformiert, in Kunst transformiert werden darf, ist nicht nur zulässig, sie ist notwendig. Schließlich geht es um etwas. Um etwas, was auch - und das ist ja der "Witz" an der Sache - außerhalb der Aktion "Bitte liebt Österreich!" existiert: Ausländer, die in Containern darauf warten, ob sie rein dürfen oder abgeschoben werden. "Der echte Container", so der Titel einer Reportage von Eva Weissenberger, ist blau und steht im Niemandsland des Schwechater Flughafens. Das ist die Realität, an der Schlingensiefs Aktion zu "messen" ist. Schafft es die Festwochen-Produktion nicht, unsere Wahrnehmung dieser tristen Situation zu schärfen, dann war die Auseinandersetzung mit Schlingensiefs Container-Aktion, wie es der selbst heftig kritisierte Wiener Kunststadtrat Peter Marboe im Falter-Interview ausdrückt, "eigentlich nur verlorene Zeit".

Damit wir auch wissen, worüber wir überhaupt reden - an sich eine Grundvoraussetzung von Kommunikation, die in den letzten Tagen freilich nicht immer gegeben war, - hat Karin Cerny letzte Woche nicht nur viele, viele Stunden vor dem Container verbracht, sondern das, was sie dort beobachtet und gehört hat, auch in einem Tagebuch zusammengefasst. Damit noch nicht genug, hat die vermutlich schon etwas erschöpfte Cerny den mit Sicherheit ziemlich erschöpften Schlingensief unmittelbar nach dem Ende der libidinösen Anstrengung für Österreich auch noch interviewt. Was genau Schlingensief gesagt hat, lesen Sie nebenan.


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