Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Die schillernde Pop-Ikone Andy Warhol hat Staub angesetzt. Zumindest im Kasino des Burgtheaters. Regisseur Stephan Müller hat Fragmente aus Warhols Kultbuch "The Philosophy of Andy Warhol" mit banalen Lifestyle-Elementen montiert und zu bemüht witzigen Lebensbetrachtungen aufgezwirbelt. Vier Männer namens "A" verhandeln Themen wie Schönheit, Erfolg und immer wieder Sex. Ihr Gegenpart ist die "Mama", die traumwandlerisch über ihr Leben mit dem berühmten Sohn räsoniert. Fraglich ist, was dabei herauskommen soll: Über Andy Warhol erfährt man nichts, und als "Lebensberatungsshow" überzeugt die Inszenierung auch nicht. Gute Gründe, diese Aufführung zu mögen, gibt es dennoch: die Hits von Velvet Underground; die Schauspieler, die sichtlich Spaß am warholesken Unternehmen haben; und Bibiana Zeller, die als Warhol-Mum ein Erlebnis ist. Aber vielleicht will "Nothing / Special" ja bloß die Erwartungen unterlaufen, die mit Kasino-Erneuerer Stephan Müller oder Andy Warhol verbunden werden. Das wäre dann gelungen.

Mit hohen Erwartungshaltungen hat auch jede Nestroy-Inszenierung zu kämpfen; die Aufführungen seiner Stücke rutschen leicht ins Biedere ab oder verheddern sich in aufgesetzter Künstlichkeit. Dieser Problematik war sich Regisseur Karlheinz Hackl bewusst, und mit Dramaturgin Isabella Suppanz fabrizierte er für das Burgtheater eine modernisierte Fassung der Posse "Der Färber und sein Zwillingsbruder", die ein klassisches Doppelgängermotiv variiert: Der tollpatschige und der tolldreiste Bruder landen nach einigen Wirrnissen doch noch vor dem Traualtar. Wenn Robert Meyer in den Couplets "Hump" und "Dump" besingt, ist das Nestroy at his best; auch Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr in den Hauptrollen überzeugen als Nestroy-Mimen. Gute Gründe, diese Inszenierung nicht zu mögen, gibt es dennoch: Das Spiel wird von zu vielen Regieeinfällen überfrachtet, die nicht recht zu den antiquierten Kostümen und dem alpenländischen Bühnenbild passen. Auch nicht ganz gelungen.


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