Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Low budget. Der aktuelle Kinostart der Woche heißt "Lovers", stammt aus Frankreich und wurde von dem Schauspieler Jean-Marc Barr mit einem Budget von zwölf Millionen Schilling realisiert: ein kleiner, sehr rasch gedrehter Zweipersonenfilm, der im Zeichen des Dogma eine ähnliche Aufbruchsstimmung zu suggerieren versucht wie seinerzeit die Nouvelle vague. Figurenkonstellation, Schauplätze, Schnitt erinnern nicht zufällig an Godards "Außer Atem", nur dass man es hier anstelle einer amerikanischen Studentin mit einer französischen Kunstbuchhändlerin (Elodie Bouchez) und statt eines französischen Ganoven mit einem illegal in Paris lebenden Künstler aus Jugoslawien (Sergej Trifunovic) zu tun hat.

No budget aus Favoriten. Dort wurde 1905 der Tänzer, Schauspieler, Akrobat Rudolf Schmitz geboren, der sich in den Zwanzigern als Rudi Rudyn, der "Mann aus Gummi und Stahl", einen Namen machte. Friedemann Derschmidts und Walter Puchers Filmporträt "Komm und sieh Rudyn" zeichnet das bewegte Leben des zur Zeit der Dreharbeiten bereits 93-Jährigen nach, der 1933 nach Palästina emigrierte, 1942 in die britische Armee eintrat, sein artistisches Können in den Dienst der Truppe stellte, 1956 nach Wien zurückkehrte und Buchhalter des ÖGB wurde. Seinen Erfolg verdankt der vergangenes Jahr uraufgeführte Film nicht zuletzt dem Charisma seines Erzählers - beim regulären Kinostart (am 23.6., 18 Uhr, im Schikaneder) wird Herr Rudyn auch persönlich anwesend sein.

Low Budget und zugleich richtungsweisend arbeitet der amerikanische Filmemacher James Benning, regelmäßiger Gast unter anderem der Viennale, bei der er zuletzt mit "Four Corners" und "Utopia" vertreten war. Kommende Woche stellt Benning auf Einladung von Sixpack Film seine Arbeiten erstmals persönlich vor - so auch sein jüngstes Werk, "El Valley Centro", eine avantgardistisch-dokumentarische Vermessung des kalifornischen Great Central Valley.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige