Aufgeblättert

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Kolumbien kennt man hierzulande vor allem als Drogenumschlags- und Guerilla-Kriegsschauplatz. Dass dieses leidgeprüfte Land auch Korruption bis in höchste Kreise und kriminelle Grundstücksspekulation zu bieten hat, kann man sich denken oder aber besser: im prächtigen Krimi "Verlieren ist eine Frage der Methode" nachlesen. Dessen literarische Botschaft wiederum besteht darin, dass es in Kolumbien neben Gabriel Garcia Marquez noch andere lesenswerte Autoren wie den 35-jährigen Santiago Gamboa zu entdecken gibt.

Am Beginn des Thrillers steht wie so oft eine Leiche - ein grausam gepfählter Mann am Rande eines Sees nahe bei Bogota. Da sich die Polizei wenig interessiert zeigt, beginnt Victor Silanpa, Chronik-Reporter bei einer großen Tageszeitung, auf eigene Faust zu recherchieren. Immer weiter dringt er in den südamerikanischen Großstadtdschungel aus Korruption und Spekulation ein - und hat deshalb auch immer weniger Zeit für seine Freundin Monica, die ihn prompt verlässt. Silanpa muss deshalb besonders viel rauchen und trinken sowie sich mit einem Flittchen trösten; er berät sich mit einer Schneiderpuppe und einem Ex-Kollegen in der Psychiatrie, die aber beide weder beruflich noch privat wirklich weiterhelfen können. Währenddessen beginnen die Verdächtigen und ihre Komplizen einander abzuschlachten.

Wer die Bücher eines Henning Mankell verschlungen hat, wird auch den klug komponierten Krimi von Santiago Gamboa schätzen: Da gibt es einen ganz und gar nicht strahlenden Helden, der psychologisch einiges hergibt, eine üppige Ration Sex & Crime, nicht wenig literarische Raffinesse - und vor allem: 300 Seiten Spannung, die bis zum Ende etliche Überraschungen bereithalten.

Santiago Gamboa: Verlieren ist eine Frage der Methode. Roman. Aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold. Berlin 2000 (Wagenbach). 368 S., öS 263,Der Autor liest am 26.6., 20 Uhr, in der Buchhandlung el tiempo (1., Johannesgasse 16) aus seinem Roman.


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