Stadtrand: Ohrenfolter

Stadtleben | aus FALTER 25/00 vom 21.06.2000

Überall plärrt es: E-De-Fiiis-Giiis, Cis-Ha-Ciiis-Eeee, Ha-A-Aaa-Eee-Aaaaa. Schlimm genug. Aber immerhin entlarvt dieser Horrorsound namens "Grande Valse" seine Benutzer als technische Dilettanten, unfähig, die werkseitige Einstellung eines Handys zu manipulieren. Viel schlimmer sind all diese fürchterlichen Individualitätswarnsignale. Merkt denn niemand, dass "Valkyrie" einfach peinlich ist? Fast so peinlich wie "Biene Maja"? "Bee" hingegen ist überraschenderweise schwer in Ordnung: Bi-i-i-i-i-i. Schön. Aber "Bumblebee"! Das ist ungefähr so grausam wie "Entertainer". "William Tell" und "Reveille" wollen wohl eine besonders fröhliche Individualität beweisen und sollten schon allein deswegen qua UN-Menschenrechtskonvention geächtet werden. "Attraction"und "Dawn" mögen - rechtzeitiges Abheben vorausgesetzt - als Grenzfälle durchgehen, steigern sie sich doch von einem durchaus erträglichen "Piep" zu genau dem, was ihre unheilverkündenden Namen androhen. Nur: Warum verwendet niemand die dezenten Sounds dieser Welt? Zum Beispiel das klassische "Ring-Ring" alias "British Bells", keinesfalls zu verwechseln mit "Big Ben"? Oder das vornehme "Low"? Und sage mir keiner, dass man die nicht erkenne. Genau die erkennt man in all dem Geläute. C.F.


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