Zeugen unter Anklage

Justiz. Spitzel in Strumpfmasken, Belohnungen und Watschen für Zeugen. Im Kampf gegen afrikanische Dealer verabschiedet sich der Staat still und leise vom Rechtsstaat. Experten schlagen Alarm.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Es war ein gespenstischer Anblick, den der Zeuge vergangene Woche im Wiener Straflandesgericht bot: Über dem Kopf eine schwarze Bankräubermütze, vor den Augen eine Spiegelbrille, die Hände in Arbeiterhandschuhen verpackt. Der Name des Zeugen ist geheim. Sein Pseudonym: ZA 2 - Zeuge anonymisiert. "Was hat Ihnen die Polizei versprochen, damit Sie hier aussagen", will Anwalt Otto Unger von der vermummten Gestalt wissen. Der Zeuge wird ungehalten: "Soll ich das jetzt wirklich coram publico sagen. Das geht dich nichts an!", faucht er den Verteidiger an. Der Antrag des Verteidigers, die Bankräubermütze zu lüften, wird "aus Sicherheitsgründen" abgelehnt.

Was sich da vergangene Woche ohne medialen Aufschrei abspielte, ist ein Novum in der österreichischen Justizgeschichte. Denn "ZA 2" ist kein Zeuge, der sein Leben riskieren muss, um dem Gericht seine Wahrnehmungen über die Drogenmafia zu schildern. Der Strumpfkopf ist ein von der Polizei entlohnter Privatmann, der selbst wegen Diebstahles

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