Zeugen unter Anklage/Strafrechtsexperte: "Faires Verfahren verletzt"

Politik | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Vorvergangene Woche berichtete der Falter über den Prozess eines Afrikaners, der nur aufgrund der Aussage eines anonymen Zeugen, ohne Sachbeweise, verurteilt wurde. Das Urteil sorgt mittlerweile nicht nur im Justizressort, sondern auch an der Universität Wien für harte Kritik der Experten. Im Falter-Interview äußert Helmut Fuchs, einer der anerkanntesten Strafrechtsprofessoren an der Uni Wien, angesichts der neuen Praktiken seine Bedenken.

Falter: Herr Professor, immer öfter verwendet die Justiz anonyme Zeugen, die mit Motorradhelmen und Bankräubermützen vermummt werden, um gegen mutmaßliche afrikanische Drogendealer vorzugehen. Ist das faire Verfahren in Gefahr?

Helmut Fuchs: Bei der Bekämpfung organisierter Kriminalität ist die Justiz im Dilemma: Einerseits soll sie den Drogenhandel wirksam bekämpfen, andererseits muss das Verfahren fair sein. Bei der Verwendung anonymer Zeugen besteht zudem ein allgemeines demokratiepolitisches Problem: Die Strafverfolgung lebt davon, dass


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