Filmreif verdrängt

Flüchtlinge. Serbische Deserteure, die vor einem Jahr in Ungarn gestrandet sind, pilgern derzeit in Wien von Partei zu Partei. Um darauf aufmerksam zu machen, dass sie bald abgeschoben werden könnten.

Nina Weissensteiner | Politik | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Der neue Dogma-Film "Lovers" von Jean-Marc Barr könnte auch einen anderen Schauplatz haben. Zum Beispiel Wien. Barrs Film hat das Schicksal eines serbischen Deserteurs zum Plot, der schließlich von Paris nach Belgrad abgeschoben wird. Wo ihm fünf bis zwanzig Jahre Gefängnis drohen. Etwa 400 serbische Deserteure in Budapest bangen zur Zeit nicht wie der Filmheld nur 90 Minuten lang wegen ihrer Abschiebung. Sondern seit Wochen. Wie etwa Milomir Mostic', der ebenfalls in Ungarn gestrandet ist, nachdem er vergangenes Jahrwährend der NATO-Angriffe auf seine Heimat vor dem Einberufungsbefehl flüchtete. Derzeit hält sich der serbische Deserteur allerdings in Wien auf. Tourt von Partei zu Partei, von Ministerium zu Ministerium, um auf das Schicksal seiner Kollegen aufmerksam zu machen. Die NATO habe damals Flugblätter abgeworfen, erinnert er sich, und zur Fahnenflucht aufgerufen. Er selbst sei, wie seine Landsleute, die nun in Ungarn festsitzen, in der Opposition engagiert gewesen. Jeden

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