Presseschau

Medien | Armin Thurnher | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Irgendwie kann man den Mann verstehen, obwohl ihn die ganze Weltpresse zu verfolgen scheint. Sie verfolgt ihn, weil er sie verfolgt, weil sie ihn verfolgt. Er prügelt ihre Exponenten, wo er sie trifft, mal mit Schirmen, mal mit der Faust, und er scheut nicht den Krieg mit großen Verlegern. Dafür rächen die sich und nennen ihn "Haugust" und neuerdings "Pinkelprinz".Vor allem edle Organe zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sittlichkeit wie die Bild Zeitung und die Bunte Illustrierte tun sich dabei hervor, Ernst August, den Prinzen von Hannover, wenn nicht zu bessern, dann wenigstens maßzuregeln und ihn immer wieder aufs Neue zu provozieren.Er ist ja ein dankbares Opfer, lässt sich beim Pinkeln an die Rückwand des türkischen Pavillons auf der Expo ablichten undmuss mit ansehen, wie die Fürsten der Scheinheiligkeit daraus eine politische Provokation des prügelfreudigen Prinzen machen.Kierkegaard ist Ernst August gewiss keiner, aber er würde dem Philosophen darin beipflichten, dass die Pressefreiheit, zu Ende gedacht,das Ende der Menschenwürde bedeutet.


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