Fernsehschau

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Auf dem Kabelkanal EuroNews läuft seit einigen Jahren ein Nachrichtenformat, das im Wesentlichen nur aus langen, ungeschnittenen Einstellungen von den Schauplätzen der aktuellen Weltkrisen besteht. Außer einem kleinen Insert, das auf Ort und Datum hinweist, sind diese Einminüter schamlos unkommentiert. Man hört nur die Originaltöne zu den betreffenden Bildern. Das ist meine absolute Lieblingssendung. An ihr kann ich mich nicht satt sehen. Ich wünschte, der Quasselsender am Küniglberg hätte diesen Mut zur Stille. Seit das Ticken der Studiouhr verstummt ist (das dürfte nun auch schon drei Jahrzehnte zurückliegen), wird jede ORF-Sendeminute voll moderiert oder voll signationiert. Nicht einmal die chronisch logorrhöekranken Italiener schaffen diese Rate an Quasselei pro Sekunde. Dabei gibt es Stimmen, die meiner Idee von Stille durchaus entgegenkommen. Christoph Grissemann etwa, der in raffiniertester Weise mehr schweigt als spricht, indem er enorme Pausen zwischen den schnell geschossenen Silben seiner Texte platziert. Christoph Grissemann würde ich sogar beim absoluten Schweigen zuhören.


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