Sibirien vor der Haustür

jubiläumsprogramm. In "Willenbrock" demonstriert Christoph Hein wie dünn die Decke von Rechtsstaat und Zivilisation ist.

Kultur | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Ich kam immer zurecht, auch früher. Eigentlich war ich immer zufrieden." Bernd Willenbrock, einst Ingenieur in einer Rechenmaschinenfabrik der DDR und nun Gebrauchtwagenhändler, scheint es Ende der Neunzigerjahre geschafft zu haben: ein Haus am Stadtrand, ein Landhaus am Stettiner Haff, eine Frau, der er eine Boutique "eingerichtet hat" und die er liebt, obwohl er sich stimulierende Seitensprünge gestattet, und eine Handballmannschaft, mit der er sich austobt. Doch über der scheinbaren Mittelklasseidylle schwebt in Christoph Heins neuem Roman "Willenbrock" von Anfang an ein Hauch von Bedrohung: "Es ist wieder spannender geworden, das Leben. Gelegentlich allzu spannend."

Gerade erst hat der geschickte Autoverkäufer, dessen Kunden vor allem aus dem Osten kommen, von der lange zurückliegenden Denunziation durch einen ehemaligen Kollegen erfahren, da verschwinden über Nacht sieben Autos: der Beginn einer Kette von Verbrechen, die sich mit dem Überfall auf den neu eingestellten Nachtwächter


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