Che Guevara in Kalifornien

Film. Der amerikanische Filmemacher James Benning ist ein Landvermesser, der sich für die politische Geografie kalifornischer Täler, aber auch für das mathematische Verhältnis zwischen Rodeo und Weinlese interessiert.

Michael Omasta | Kultur | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Eine zierliche junge Frau trainiert für ein Rodeo: vom Pferd abspringen, die Ziege umwerfen, ihre Hinterläufe zusammenbinden - bis jede Bewegung sitzt. Arbeiter bei der Weinlese: Reben werden geschnitten, in Körben zusammengetragen, kein einziger Handgriff ist überflüssig. Einmal donnert ein Flugzeug bedrohlich nahe über die Kamera hinweg, und Insektenvertilgungsmittel regnet auf das Feld herab: eine Szene, aufgenommen wie die in Hitchcocks "North by Northwest".

Die Arbeiten von James Benning sind pretty much avant-garde, doch im Verlauf seiner mittlerweile drei Jahrzehnte währenden Karriere hat sich der amerikanische Filmemacher zu einer Art strukturalistischem Dokumentaristen entwickelt, der mit immer bescheideneren formalen Mitteln sein Auslangen findet. "El Valley Centro" beispielsweise, sein jüngstes Werk, bezeichnet er selbst als ein "Ton-Bild-Porträt". Der Film, gedreht im kalifornischen Great Central Valley, besteht aus exakt 35 Einstellungen zu exakt 2 Minuten und 30 Sekunden.

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