Stadtrand: Aufs Dach steigen

Stadtleben | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

Da nicht jeder Wienmensch so schick wohnt wie die Leute im Fernsehen (also mit Dachterrasse und Blick über die Stadt), ist es manchmal nicht übel, sich wenigstens so zu fühlen, als wäre man Terrassenbesitzer. Besonders wenn es ganz und gar Sommer ist und die Wohnung ganz und gar nicht mehr auskühlt. Eine der besten Sitzplattformen der Stadt befindet sich auf dem Gerngross-Dach. Eine Asia-Fast-Food-Kette hat hier eine Filiale, und die Plätze im Dachgastgarten sind begehrt. Doch wer nichts isst, ist nicht willkommen. Nur trinken mit Aussicht? Nein. Okay, verständlich: Die Miete ist sicher recht hoch. Die Sushimeister wollen beschäftigt sein. Und überhaupt. Aber selbst wer um halb zehn abends noch nur auf ein Bier kommen will - 30 Minuten bevor die Restaurantterrasse schließt -, wird hart abgewiesen. ("der Chef erlaubt das nicht ...") Als ob um diese Zeit noch Speisegäste dem Kaufhaus aufs Dach steigen würden ...

Wer solcherart vom schicken Aussichtsdach verbannt wird, muss aber nicht schmollend nach Hause gehen. Die entsetzliche Erlebnisgastronomie ein Stockwerk tiefer verfügt (Achtung: Geheimtipp!) nämlich über ein ganz spezielles Erlebnis: eine fast leere Terrasse! Schön und bis in die Puppen geöffnet. Und da fühlt man sich echt wie zu Hause. C. W.


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