Comandantina Dusilova: Tangentiales Vorspiel

Stadtleben | aus FALTER 26/00 vom 28.06.2000

W enn es würzig wird in Wien und die Kalenderblätter sich dem Monat Juli zu widmen beginnen, werde ich sentimental und höre verschrammtes Vinyl. "Zappa in New York" heißt das Werk und ich habe es mir 1978in Sichtweite der Wiener Oper gekauft. In einem Plattengeschäft namens Hannibal, das damals ungeheuer hip war, weil es - jedenfalls habe ich das so in Erinnerung - ein Dutzend Vorspielautomaten mit Tangentialarmen hatte. Hängende! Hängende Vorspielautomaten mit Tangentialarmen! In Kopfhörern des hippen Hannibal hörte ich zum ersten Mal Jazz, der nicht klang wie alte Herrenhosen, in die jemand Lulu gemacht hatte. Jazz, der sich gar nicht wie Jazz anhörte, sondern einfach und kompliziert zugleich war. (Ich habe mir infolge der Verehrung für dieses Album sogar sämtliche Platten der Brecker Brothers gekauft.) Großartig fand ich auch das Design des Doppelalbums. (In einer Zeit, in der Platten noch groß und schwarz waren, transportierten auch Plattencover eine Message!) Die Message war ungefähr die: Wir sind jetzt hier in New York, gleich beginnen die Achtziger, und da machen wir noch schnell ein paar Dinge, die wir gut können, bevor alle anfangen, sich die Haare blau zu färben und Ska auf Heimorgeln zu spielen.


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