Vor 20 Jahren im Falter

... gestaltete Ecke Bonk das Titelblatt mit dem Untertitel "Allen Analphabeten des 21. Jahrhunderts gewidmet". Und ein Student trete mit einem "offenen Brief" an die Öffentlichkeit.

Vorwort | aus FALTER 27/00 vom 05.07.2000

Offener Brief Sehr geehrter Herr Dr. Zilk!

Es ist sehr zu befürworten, dass im Juni als Produktion der Wiener Festwochen Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit" erstmals seit 1964 wieder dem Wiener Publikum im Konzerthaus szenisch präsentiert werden.

Es ist auch unbestritten eine kulturpolitische Notwendigkeit, interessante und unkonventionelle Theateraufführungen aus Wien und den Bundesländern vom Fernsehen aufzeichnen zu lassen, um sie somit einem größeren Publikumskreis zugänglich zu machen.

Wieso aber, Herr Dr. Zilk, setzen Sie als Kulturstadtrat der Stadt Wien die Kartenpreise in derart astronomische Höhen, dass man glauben möchte, Sie wollen mit den Bundestheatern konkurrieren? Da es keinerlei Ermäßigung gibt, ist einigen Gruppen wie Lehrlingen, Studenten, Präsenzdienern und anderen der Zutritt versperrt.

Hochachtungsvoll, Heinrich Spiller sowie 186 Unterzeichnete Das präpotente Auftreten eines gewissen Hans Hollmann - der das Stück inszeniert hat mich dazu veranlasst, diese Unterschriftenaktion zu starten. Der Erwähnte gab vor, die Eintrittspreise nicht zu kennen, sagte, dass Kultur elitär und teuer sein müsste.

Wenn Karl Kraus, der vor Arbeitern gelesen hat, diesen Zirkus noch miterleben könnte, würde er die Aufführung unter diesen Gesichtspunkten nicht zustande kommen lassen!


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