Europa, wohin?

Ausland. Wohin führt die von Joschka Fischer ausgelöste Debatte über die Zukunft der EU?

Vorwort | Isolde Charim | aus FALTER 27/00 vom 05.07.2000

Am 12. Mai hielt der deutsche Außenminister Joschka Fischer in Berlin eine Rede, die einen "bewussten politischen Neugründungsakt Europas" einleiten sollte. Dabei dachte er nicht an Europa als einen "neuen Souverän", sondern als eine Föderation, also an eine Souveränitätsteilung.

Die Rede hat ihr Ziel nicht verfehlt - sie hat heftige Reaktionen ausgelöst. Der französische Innenminister Jean-Pierre Chevenement etwa meinte: "Deutschland träumt noch immer vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation." Und in der direkten Konfrontation, im Zeit-Gespräch mit Joschka Fischer, fügte er hinzu: "Ich bin überzeugt, dass wir ein stabiles Deutschland brauchen. Eine selbstbewusste Nation."

Eine erstaunliche Wortwahl. 1994 erschien exakt unter diesem Titel ein Band, der versucht hat, das Deutsche wieder in sein Recht zu setzen. Im Sog des "Anschwellenden Bocksgesangs" von Botho Strauß wurde die "selbstbewusste Nation", die Normalität also, zum Schlachtruf einer Rechten im Kampf um die Wiederherstellung


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