"Unsittliches Ansuchen"

Widerstand. Die Gemeinden sollen für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern mitzahlen. So mancher Bürgermeister bringt dafür kein Verständnis auf.

Politik | Gerald John | aus FALTER 27/00 vom 05.07.2000

Die Kriegsjahre im Innviertel: Bauern an der Front, Höfe und Felder verwaist. Auch der Vater des kleinen Günther Pumberger wurde in die Wehrmacht abkommandiert. "Wir daheim haben alle zusammenstehen müssen", erinnert sich Pumberger. Da war es selbstverständlich, dass auch Fremde Hand anlegten. Wie überall in Österreich schufteten Arbeiter aus Osteuropa auf den Bauernhöfen, schaufelten Schnee und hielten die Gemeinden instand. Gut, freiwillig waren sie nicht da, genau genommen handelte es sich um Zwangsarbeiter. "Aber in irgendeiner Form waren wir alle geschlagene Leut", meint Pumberger, heute ÖVP-Bürgermeister der Innviertler Gemeinde Eberschwang. Und so schlecht könne es den Ostarbeitern ja nicht gegangen sein: "Nach Eberschwang sind Jahre später sogar welche zu Besuch gekommen, weil es ihnen so gut gefallen hat."

Dennoch: Die Regierung hat entschieden, rund 150.000 ehemalige NS-Zwangsarbeiter mit insgesamt sechs Milliarden Schilling aus einem "Versöhnungsfonds" zu entschädigen.


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