Fernsehschau

Medien | Andrea Dusl | aus FALTER 27/00 vom 05.07.2000

Das kommt davon. Eine Woche Fernsehverbot, und ich verstehe die Welt nicht mehr. (Fernsehverbot ist jenes Instrumentarium, dessen ich mich bediene, wenn der Fernsehkonsum beginnt, in mir Apathien und Depressionen auszulösen.) Fernsehverbot heißt natürlich auch Abstinenz von jeglicher Fernsehinformation. Fernsehverbot geht fernsehkolumnentechnisch zwar mit Kompetenzverlust einher, bietet aber auch den Vorteil eines unverbrauchten Blicks auf Alltägliches. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Eine Woche strich ins Land, und aus dem Fernsehen, wie ich es kannte, ist ein Militärpropagandasender geworden. Eine Woche Fernsehverbot strich ins Land, und Düsenflugzeuge brausen über meine Mattscheibe, Bomberstaffeln formieren sich zu gefährlich aussehenden und als gefährlich beschriebenen Manövern, und der inländische Militärminister spricht über Kampfbomber wie der Hättiwari einst über seinen Ferrari. Eine Stimme, die ich nur von zivilen Sportübertragungen kenne, überschlägt sich vor Begeisterung im Erklären von martialischen Tugenden. Der ORF, wie ich ihn kannte, ist ein Militärsender geworden.


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