Stadtrand: An alle

Stadtleben | aus FALTER 27/00 vom 05.07.2000

Ich bin jetzt nicht tranig und spitzlippig. Im Gegenteil: Wer steht stets an der rummeligen Supermarktkassa und die Kassabonrolle muss ausgewechselt werden? Wer sitzt im Kino hinter einem Schwall von Föhnwelle? Für wen reserviert der alte Zausel in der Trafik seine tagsüber aufgesparte Miesepetrigkeit? Eben. Warum muss aber immer nur ich offenen Auges in die Katastrophe fahren, warum muss ich mir sommers Frostbeulen holen?

Also: Ich radle so vor mich hin, mit der Polizei hab ich gar nichts im Sinn. Mir kommen ganze Geschwader auf zwei Rädern in der Einbahn entgegen (die Richtungsangabe spar ich mir, das ist nicht das Thema), in der Nacht spende ich sogar Licht für den unbeleuchteten Radlfahrer auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Alles rollt, alles fährt. An mir vorbei. Aus einem innerstädtischen Krähwinkel ist wie immer ein halbwegs verdeckter Ermittler aufgetaucht, hat sterbenslangsam seinen Fahrradständer aufgeklappt. Wir diskutieren trocken Richtungsangaben, unterhalten uns über radelnde Gehsteigphänomene, er zeigt mir sein Notizheft. Zahnfleischlächeln. Auf Wiederschaun.

Als verhuschtes Opfer darf ich spitzlippig fordern: Könnts ihr euch, schlaffe Gesetzestreue, auch einmal darwischen lassen? Danke.Wo. P.


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