Comandantina Dusilova: Landgeräusche

Stadtleben | aus FALTER 28/00 vom 12.07.2000

Das Land, il paese, the countryside. Sie mögen noch so verschieden sein und vielfältig, noch so idyllisch, noch so trist. In einem jedoch gleichen einander die Lande aller Länder, sie haben ihre eigenen Geräusche. Geräusche, die es nur am Land gibt. Ich meine natürlich nicht das Branden des Meeres, das Rauschen des Waldes oder das Gezirpe und Geschnatter der Natur, ich meine Geräusche aus Menschenhand. Um noch genauer zu sein, meine ich Geräusche von Maschinen aus Menschenhand. Von Maschinengeräuschen aus Menschenhand ist nämlich das Land voller, als der Städter glaubt. Es ist geradezu angefüllt von man made machine music. Ein sehr typisches Landgeräusch ist das kehlige und monotone, stets aber um Entfernung bemühte Röhren eines zweisitzigen Sportflugzeuges, in dem nur der Pilot sitzt. Dieses Geräusch einer leicht hängenden einmotorigen Flugmaschine hört sich in Cornwall just so ländlich an wie in der Ukraine, South Dakota oder in Kalabrien. Das Geräusch einer leicht hängenden einmotorigen Flugmaschine ist für mich das Landgeräusch schlechthin, und ich wüsste kein anderes, das ihm an Ländlichkeit gleichkäme. Am ehesten noch das Geräusch eines in der Sonne gilbenden Plakates.


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