"Dann gibt's einen Wickel"

Rotes Wien. Finanzstadträtin Brigitte Ederer im Interview: Wann sie bereit ist, mitzusparen. Warum die SPÖ-Krise noch ein Jahr lang dauern wird. Und wie sie eine weise, alte Frau werden will.

Gerald John und Eva Weissenberger | Politik | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Brigitte Ederer ist keine, die ins Rampenlicht drängt. Welche Politikerin würde in Gegenwart von Journalisten sonst Sätze wie "Können wir das Interview nicht kleiner machen?" oder "Aufs Cover? Wollt's mi häkeln?" fallen lassen. Trotz - oder wegen - demonstrativer Bescheidenheit ist die Leopoldstädterin die Karriereleiter weit nach oben geklettert. Nach den Stationen EU-Staatssekretärin und Bundesgeschäftsführerin wurde die Volkswirtin 1997 Finanzstadträtin in Wien und damit zum mächtigsten Stadtregierungsmitglied nach Bürgermeister Michael Häupl.

Weil Ederer, was ihr viele wieder einmal nicht zugetraut hatten, im magistratischen Männerverein bestehen konnte, wollten sie manche Genossen nach Viktor Klimas Rücktritt im Frühjahr sogar an die Parteispitze hieven. Ansehen genießt sie auch im Kreise der mehrheitlich bürgerlichen Landeshauptleute. An vorderster Front kämpft sie mit dem Mandat der Länder gegen von FPÖ-Finanzminister Karlheinz Grasser geforderte Sparmaßnahmen:

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