Hard Stuff

Politisches Buch. Vergangene Woche präsentierte ÖVP-Klubobmann Andreas Khol das neue Jahrbuch für Politik. Mit einem deftigen Vorwort über den ehemaligen Koalitionspartner SPÖ.

Politik | Nina Weissensteiner | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Dreißig Beiträge, beinahe vierzig Autoren, mehr als 800 Seiten: Vergangene Woche lud Klubobmann Andreas Khol wieder einmal ins Parlament, um das alljährliche Standardwerk der Politischen (VP-) Akademie zu präsentieren. Der 23. Band des "Jahrbuchs für Politik" ist schwerpunktmäßig zwar den Wahlen 1999 gewidmet, im Vorwort des dicken Wälzers gehen die Herausgeber - allen voran der schwarze Klubchef - aber mit dem ehemaligen Koalitionspartner SPÖ hart ins Gericht. Offenbar, um die neue Regierungskonstellation, die streng genommen erst im nächsten Band abzuhandeln wäre, schon einmal in ein besseres Licht zu rücken: Von "Leiden an einer realitätsverweigernden, (...) geistig verfetteten und stets verspäteten Regierung" ist da über die Große Koalition die Schreibe - unter Berufung auf die Opinionleader des Landes. Abschließend empfehlen die Verfasser der SPÖ "eine Aufarbeitung": hinsichtlich "der Rolle beim Zustandekommen der Sanktionen", "des Stils, in dem die Ministerien übergeben wurden, (...) bis hin zur Mobilisierung der Straße (,Haider und Schüssel an die Wand')".

Der Hauptteil widmet sich dem 3. Oktober und seinen Folgen - aufgrund der zahlreichen Beiträge - differenzierter. VP-nahe Meinungsforscher (Plasser, Ulram und Co.) analysieren Wählerströme und -motive, Erhard Busek, Regierungsbeauftragter, schreibt über "Identität und Differenz", Friedhelm Frischenschlager, nun LIF-Sprecher, postuliert wiederum das Ende des österreichischen Liberalismus. Auf den letzten Seiten kommentieren die Chefredakteure des Landes den Paradigmenwechsel - von Andreas Unterberger (Die Presse) bis Armin Thurnher (Falter). - Fazit: Hard Stuff, nicht nur auf den ersten Seiten, ergo keine Strandlektüre.

Andreas Khol, Günther Ofner, Günther Burkert-Dottolo, Stefan Karner (Hg.): Österreichisches Jahrbuch für Politik 1999. Wien, München 2000 (Verlag für Geschichte und Politik / R. Oldenbourg Verlag). 829 S., öS 690,


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