Die Ortstafel-Ritter

Minderheiten. Mit Pomp und Trara wurde vergangene Woche die erste zweisprachige Ortstafel im Burgenland angebracht. Was der Staatsvertrag ohnehin seit 45 Jahren vorschreibt.

Politik | Nina Weissensteiner | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Großwarasdorf darf sich nun ganz offiziell auch "Veliki Boristof" nennen. Vergangene Woche schraubte Kanzler Wolfgang Schüssel in der kleinen mittelburgenländischen Gemeinde eigenhändig die erste zweisprachige Ortstafel des Landes an. Zwischen Folkloretänzern, Festansprachen und Rotweinverkostung. 47 weitere Ortstafeln sollen in folgen, vier in ungarischer, der Rest kroatischer Sprache. Landeshauptmann Karl Stix (SPÖ) und sein Stellvertreter von der ÖVP, Gerhard Jellasitz, machten beim Festakt fröhliche Gesichter, beide entsannen sich hinterm Rednerpult wortreich ihrerkroatischen Wurzeln.

Dabei hätten die Ortstafel-Ritter - mit etwas mehr Courage - die Anbringung des ersten Schildes schon wesentlich früher haben können. Denn was der Staatsvertrag von 1955 ohnehin vorschreibt, hatte die große Koalition - im fernen Wien wie im nahe gelegenen Eisenstadt - seit gut einem Jahrzehnt torpediert. Die Sozialdemokraten wollten ihre älteren Funktionäre und Bürgermeister - darunter viele


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