Stammtisch.at

Internet. In den Diskussionsforen österreichischer Tageszeitungen stellen immer mehr User antisemitische Sprüche ins Netz. Die meisten Medien sehen den Image-schaden und versuchen ihre braunen Cybergäste zu verscheuchen.

Medien | Florian Klenk und Nina Weissensteiner | aus FALTER 29/00 vom 19.07.2000

Es muss der Wunschtraum eines jeden Stammtischbesuchers sein. Endlich seine Meinung nicht nur dem Hinterzimmer seines Beisls, sondern einem Millionenpublikum vortragen zu können. Wochenlang. Anonym. Und das auf den meistfrequentierten Homepages Österreichs: jenen der Tageszeitungen und des ORF.

"Karl Kraus, Auslandsösterreicher", zum Beispiel hat all seinen Mut zusammengekratzt. In einem Chat auf der Homepage der Kronen Zeitung schreibt er zum Thema "Nazischatz im Toplitzsee": "Es sind die Juden im Speziellen, die glauben, dort Material zu finden, um uns bis zum St. Nimmerleinstag zu erpressen." Auch seine Chatpartnerin "Gerti" nerven die "Judenbestrebungen" und das "Wiedergutmachungstheater", das von der "jüdischen Weltorganisation" inszeniert werde. "SkorpA", der gewisse Buchstaben seines Decknamens wohl nicht zufällig großschreibt, rotzt ins Netz: "Österreich lässt sich durch die erpresserischen Juden einschüchtern!"

Dutzende Eintragungen in den Chatforen österreichischer Medien


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